EU-Zulassung für Idebenon (Raxone®) bei LHON

EU-Zulassung für Idebenon (Raxone®) bei LHON

Dienstag, 22. September 2015
Schlagwörter: Optikusneuropathie (Lebersche, 2-(10-Hydroxydecyl)-5,6-dimeth, 2-(10-Hydroxydecyl)-5,6-dimeth, CV 2619 (Takeda, J), Idebenon, Idebenona, Idebenone, Idebenonum, Raxone, Santhera, EMA, EU-Zulassung, European Medicines Agency, Lebersche Hereditäre Optikusn, LHON

Das kurzkettige Benzochinon Idebenon (Raxone®, Santhera Pharmaceuticals) erhielt die Zulassung zur Behandlung von Sehstörungen bei jugendlichen und erwachsenen Patienten mit Leberscher Hereditärer Optikusneuropathie (LHON) durch die Europäische Kommission.

Die Wirksamkeitsdaten stützen sich auf die doppelblinde, randomisierte, Placebo-kontrollierte RHODOS Studie und ein Expanded Access Programm und haben insgesamt gezeigt, dass der Sehverlust bei mit Idebenon behandelten Patienten gemildert oder rückgängig gemacht werden kann.

Die Zulassung erfolgte unter "Außergewöhnlichen Umständen" mit der Auflage, weitere Daten innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens zu erheben, u. a. im Rahmen eines Registers zur Arzneimittelexposition bei Patienten, denen Idebenon zur Behandlung von LHON in der klinischen Praxis verschrieben wurde.

Die Lebersche Hereditäre Optikusneuropathie (LHON) ist eine seltene erblich bedingte Erkrankung der Ganglienzellen der Netzhaut, die zu einer hochgradigen Visusminderung mit zentralen Gesichtsfeldausfällen und letztendlich zu einer bilateralen Blindheit führt. Sie beruht zumeist auf primären Mutationen der mitochondrialen DNA (mtDNA), die einen Defekt im Komplex I der mitochondrialen Atmungskette zur Folge haben, welcher mit einer verminderten zellulären Energie (ATP)-Produktion, einem vermehrten Anfall reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) und einer Dysfunktion retinaler Ganglienzellen einhergeht.

Idebenon ist ein Kofaktor für das Enzym NQO1 [NAD(P)H:quinone oxidoreductase 1] und ein Antioxidans von dem angenommen wird, dass es Elektronen direkt an den Komplex III der mitochondrialen Elektronentransportkette (Atmungskette) übertragen und somit Komplex I umgehen und die Gewinnung von zellulärer Energie (ATP) unter experimentellen Bedingungen eines Komplex-I-Defekts wiederherstellen kann. In ähnlicher Weise kann Idebenon bei LHON Elektronen direkt an den Komplex III der Elektronentransportkette übertragen und somit Komplex I, der von den primären LHON verursachenden mtDNA-Mutationen betroffen ist, umgehen und die ATP-Gewinnung in den Zellen wiederherstellen. Möglicherweise kann Idebenon gemäß diesem biochemischen Wirkmechanismus lebensfähige, jedoch inaktive retinale Ganglienzellen (RGCs) bei Patienten mit LHON reaktivieren. Abhängig von der seit Einsetzen der Symptome verstrichenen Zeit und dem Anteil der bereits betroffenen RGCs kann Idebenon zur Wiederherstellung der Sehkraft bei Patienten mit Verlust der Sehfähigkeit beitragen.

Quellen:

EPAR/SPC Raxone® - www.ema.europa.eu

Pressemitteilung Santhera Pharmaceuticals, 09.09.2015 - www.santhera.com

Leo-Kottler B, Wissinger B. Ophthalmologe 2011; 108(12):1179-1192